Und was hat die A20 mit dem Solarpark Hohenfelde zu tun?
Wie die SHZ am 06.06.2021 berichtete, endete am 05.06.2021 in Hohenfelde eine Fahrraddemo mit ca. 250 Teilnehmern gegen den geplanten Verlauf der A20. Auch ein Vertreter der Gemeinde, Bürgermeister Torben Stuke, äußerte sich zu den Plänen und bewies, dass er doch Umwelt kann:
„Auch am Ziel in Hohenfelde gab es kritische Worte. Dort soll künftig ein Autobahnkreuz zwischen A20 und A23 entstehen. Bürgermeister Torben Stuke sprach über den Kampf, den die Gemeinde seit 40 Jahren gegen die A20 führt. Das Dorf würde dadurch in vier Teile geteilt werden. Und schwerwiegend: 37.000 Kubikmeter Torf würden aus der Moorfläche herausgeholt werden müssen. „Das ist die Größe von 18 bis 19 Olympiaschwimmbecken“, so Stuke. „Torf ist der Stoff, der CO2 speichert.“ Er setzt auf das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Dort wird über strittige Planfeststellungsverfahren geurteilt.“
Rainer Guschel vom BUND stellte in demselben Artikel fest, dass das Moor im Planfeststellungsverfahren einer der Einwände gegen den Abschnitt 7 sein werde.
Quelle: https://www.shz.de/32481627 ©2021 SHZ
Vielleicht hätte Bürgermeister Stuke genau das bedenken sollen, als er und seine Fraktion geschlossen für das geplante Gebiet des Solarparks gestimmt haben. Damit haben die Gemeindevertreter selbst ihre eigenen Argumente gegen den Bau der A20 auf Hohenfelder Gebiet ad absurdum geführt. Klimasensitiver Moorboden, „der Stoff, der C02 speichert“, wurde im Fall des Hohenfelder Solarparks leichtfertig einer Zerstörung und unnatürlichen Überdachung freigegeben, entgegen dem eigenen, verbalisierten Anspruch an Natur- und Klimaschutz. – Oder geht es nur ums Geld (Gewerbesteuern und Beteiligung am Ertrag)?
Die Gemeindevertreter machen sich damit zum einen unglaubwürdig gegenüber den Planern der A20. Und zum anderen zieht dann umso mehr das allseits bekannte Argument der „technischen Überprägung“: Je mehr Eingriffe in die Natur vorgenommen worden sind, desto weniger fallen weitere Einschnitte ins Gewicht. Offensichtlich ein landschaftsplanerischer Grundsatz.
Anforderungen an Planung und Bau von naturverträglichen Solar-Freiflächenanlagen (BUND)
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. hat im Juli 2021 ein Positionspapier unter diesem Titel veröffentlicht. Unter der Überschrift „Grundsätzliches“ werden vorrangige Flächen, die anzustrebende Pflicht zur Installation von Photovoltaikanlagen bei Neubauten, planerische Steuerung, Naturverträglichkeit von Freiflächenanlagen, Solarthermie sowie die Diskussion zu Maßnahmen der Agriphotovoltaik zusammengefasst.
Unter dem Punkt „Rahmenbedingungen“ werden Hinweise zum Genehmigungsverfahren gegeben, die Möglichkeiten und Handlungswege der Gemeinde aufgezeigt und die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit, bereits möglichst vor der ersten öffentlichen Auslegung, angemahnt. Ferner wird Bezug auf den Einfluss der Solarparks auf Umwelt und Natur genommen und es werden die Ausschlussflächen definiert.
Klimabilanz Photovoltaik: Wie groß ist der CO2-Fußabdruck von Solarstrom?
Es ist unbestritten, dass Strom aus der PV-Anlage einen deutlich geringeren ökologischen Fußabdruck hinterlässt als Strom aus Kohle, Öl oder Erdgas.
Die Atomenergie nimmt dabei eine Sonderstellung ein. Wenn man nicht nur den ausschließlichen Vergleich der CO2-Emissionen zurate zieht, wird klar, dass sie keinerlei Zukunft hat: Per Gesetz muss die sichere Lagerung für hoch radioaktive Abfälle für mehr als eine Million Jahre gewährleistet sein.
Quelle: EnergieAgentur.NRW
Deutlich wird aus obiger Abbildung, dass Windkraft Onshore und besonders Windkraft Offshore die mit Abstand höchsten CO2-Einsparungen bieten. Ebenso verhält es sich bei der „Energy Payback Time“, also der Zeitspanne, nach der eine Anlage so viel Energie produziert hat wie zu ihrer Herstellung aufgewendet wurde. Sie beträgt für Windkraft 2,5 bis 3,2 Monate, bei Photovoltaik zwischen 0,9 und 2,1 Jahren, wobei wiederum Dünnschichtmodule die niedrigeren Werte erreichen. Letztgenannter Typus wird aber nicht am Standort Hohenfelde eingesetzt werden. Eine sehr umfangreiche Auswertung findet sich auf den ca. 400 Seiten der aktualisierten Ökobilanzanalyse des Umweltbundesamtes.