Klartext
Demokratie geht anders!
Die Vertreter der Gemeinde Hohenfelde haben es bis heute (September 2021) versäumt, die direkt betroffenen Anwohner der Gemeinde Hohenfelde über das Vorhaben, das schon im September 2020 seinen Anfang nahm, zu informieren, geschweige denn, deren Meinung einzuholen.
Verlust an Lebensqualität
Der Solarpark lässt sich nicht hinter Hecken verstecken. Der betroffene Ortsteil Niederreihe liegt mit der L112 auf einer Höhe von 7 m über dem Meeresspiegel, der geplante Solarpark einen halben Meter unterhalb des Meeresspiegels. Dort, wo jetzt noch saftige Wiesen sind, die wir von oben in ihrer ganzen Weite überblicken können, sind dann PV-Module auf einer riesigen Fläche weithin sichtbar und verschandeln unsere Landschaft in einem nicht tragbaren Ausmaß.
Ein bisher viel genutzter Spazierweg führt hinunter an die Krempau und an ihr entlang bis nach Steinburg. Aber, wer geht schon gerne an einem hohen Zaun spazieren!
Reiner Zynismus
Wir Niederreiher sind bereits in besonderem Maße von negativen Umwelteinflüssen und Belastungen betroffen. Da gibt es die A23 als störendes Element, den Zubringer zur Autobahn mit seinem sehr hohen Verkehrsaufkommen (L112), die Windräder auf Grönländer, Steinburger und Rethwischer Gebiet, das Umspannwerk, das sich immer weiter ausdehnt, Energiefreileitungen und Masten.
Wenn das Planungsbüro Brockmöller jetzt schreibt: „Aufgrund dieser erheblichen Vorbelastungen der Landschaft besteht … eine geringere Empfindlichkeit gegenüber zusätzlichen Beeinträchtigungen durch PV-Anlagen … “, dann ist das sehr zynisch und menschenverachtend!
Will heißen: Dort wo eine Landschaft schon nicht mehr intakt ist, macht es auch nichts, wenn man noch eins draufsetzt. Die Leute kümmert das sowieso nicht – oder sind sie gar zu blöd?
Natur und Klima leiden
„De Wieschn“, wie sie auf Plattdeutsch heißen, waren in der Vergangenheit ein Überschwemmungsgebiet. Im Winter war das Wasser zu einer großen Eisfläche gefroren und Schlittschuhlaufen an der Tagesordnung. Die A23 ist nicht ohne Grund in diesem Bereich höher gelegt und nicht ohne Grund findet man in den feuchten Wiesen keine Knicks, Bäume oder Sträucher. In einem Überschwemmungsgebiet verbietet sich die Installation eines Solarparks.
Die 300 m Pufferzone der Krempau, die einer ausgewiesenen Biotop-Verbundachse angehört, wird bei dem Vorhaben unzulässigerweise missachtet.
Der Untergrund ist fast ausschließlich Moorboden als Ausläufer des Hohenfelder Moores. Moore sind, wie man heute weiß, ein besonders schützenswertes Biotop mit einzigartiger Flora und Fauna und leisten als wichtiger CO2-Speicher einen enormen Beitrag zum Klima. Umsonst werden nicht ehemalige Moore wieder renaturiert.
In diesem Zusammenhang steht auch ein Kriterium, das unlängst Eingang in die Landschaftsrahmenpläne gefunden hat, das Kriterium der klimasensitiven Böden. Solche Böden dienen in vielfacher Weise dem Klimaschutz (vgl. auch den Punkt „Biotop und Topografie). Es versteht sich von selbst, dass diese Klassifizierung nur für den aktuellen Ist-Zustand eines Bodens gilt. Jede Veränderung würde sich negativ auf die Qualität des Bodens auswirken, seinen Wert drastisch herabsetzen und diese Einordnung zunichte machen. Die Böden der Niederreiher Wiesen im Bebauungsplan 10 sind in ihren beiden Teilbereichen klimasensitive Böden!
Sand in die Augen der Naturfreunde
Man liest häufiger, dass sich in PV-Freiflächenanlagen die Natur erholt, vielfältige Vegetation ermöglicht wird und Kleintiere, Insekten usw. einen Lebensraum finden.
Leider sieht die Realität ganz anders aus. Wir haben uns bereits bestehende Solarparks in unserer Umgebung angeschaut, soweit es möglich war. Ein hoher Zaun, der mit dem Erdreich abschließt, umgibt die gesamte Anlage. Zum Teil werden sommergrüne Ligusterhecken gesetzt, in unserem Fall sehr ungepflegt und von Zaunwinde überwuchert. Das dornenbewehrte Metalltor ist stark gesichert. Unter den Solarpanels ist durch die Beschattung nur spärlicher Bewuchs mit Kahlstellen zu erkennen. Ansonsten haben wir nur Gras und Brennesseln entdecken können. Vögel konnten wir nicht ausmachen. Schotterwege durchziehen netzartig die Anlage. Sie sind notwendig bei der Errichtung des Parks, aber bleiben bestehen für Wartungs- und Reparaturarbeiten oder im Fall von Bränden. Der Boden ist dort stark verfestigt.
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Gerne wird auch argumentiert, dass auf den Flächen für Photovoltaik keine Gülle ausgebracht wird und das sei doch gut. Ja, aber wo bleibt denn die ganze Gülle? Die Bauern werden doch deshalb nicht ihre Schweinemast aufgeben. Dann konzentriert sich eben die ganze Gülle auf weniger Fläche! Enthaltene Stoffe wie Nitrat werden ausgewaschen und gelangen ins Grundwasser, weil die Böden übersättigt sind. Ist das unsere Zukunft in Schleswig-Holstein: „Das Gold der Bauern“ neben Solarpanels?
Oder: Gülle-Problem mittels Direkteinleitung lösen, was nicht neu wäre?
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Spaziergänger, aufgepasst!
Die Solarindustrie, die uns erklärt, dass mit dem Bau von PV-Freiflächenanlagen ganz viele positive Effekte verbunden sind, hat trotz alledem im Fall des Solarparks Hohenfelde (Bebauungsplan Nr. 10) in einer Berechnung zum Kompensationsbedarf
(Pkt. 7) ein DEFIZIT von 68.847 m² Fläche errechnet!
Dieses Kompensationsdefizit soll ausgeglichen werden.
Wie? Durch eine Ökokontomaßnahme.
Wo? In der Gemeinde Kleve, Gemarkung Moorhusen.
Also, liebe Niederreiher! Setzt euch ins Auto und fahrt nach Kleve. Dort ist jetzt euer neuer Spazierweg!
Update 01.03.2022: Durch eine äußerst großzügige Auslegung eines neuen Erlasses der Landesregierung (Stand 01.09.2021) und die wundersame Vermehrung von Grünflächen und Hecken verwandelt sich das ursprüngliche Defizit von 68.847 m² in ein Guthaben von 45.101 m² Fläche und kann nach Meinung des Planungsbüros zumindest zur Hälfte als Kompensation für andere Solarparkprojekte genutzt werden. Die Siel-, Wasser- und Deichverbände, bei denen u.a. Grünflächen-Anleihen in Form von Gräben und Wettern für die neue Berechnung herangezogen wurden, werden sich sicherlich damit auseinandersetzen.
Storchenparadies Hohenfelde! – Bald schon Solarparadies Hohenfelde?
Besonders am Herzen liegen uns die Störche und das Rehwild.
Die Wiesen als Sammelplatz für unzählige Störche, die sich für den Flug in den Süden zusammenfinden, werden durch den Solarpark zunichte gemacht. Es wurde mehrfach beobachtet, dass gerade die Flächen entlang von Autobahnen und Flüssen von Störchen und wohl auch anderen Zugvögeln zur Sammlung im Spätsommer und Herbst aufgesucht werden. Denn bei ihren Flügen orientieren sie sich gerne an solchen markanten Verkehrsadern.
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Das Rehwild wird in Folge von einem sehr großen Lebensraum ausgesperrt. Durch zersplitterte und isolierte Habitate kommt es zu einer geringeren Durchmischung des Genpools und damit zu einer weniger vitalen Population. Daran ändert auch ein 15 m breiter Streifen entlang der Autobahn nichts.
Slogan der Landwirte: „Wir sorgen für volle Teller“
Leider nicht mehr in jedem Fall. Landwirtschaftliche Nutzflächen werden einfach mal so aus der Produktion für Nahrungsmittel und Futtermittel genommen, wenn der Landwirt bei Solar ein besseres Geschäft wittert. Frage: Woher kommen denn dann unsere Nahrungsmittel? Das beklagen sogar inzwischen die landwirtschaftlichen Verbände. In unserer näheren Umgebung gibt es jede Menge Bestrebungen, PV-Freiflächenanlagen zu errichten: in Borsfleth, Krempe (im Bau), Horst-Moordiek, Horst-Heisterende, Rethwisch, Herzhorn, Sommerland, Bahrenfleth, Neuenbrook Nord und Neuenbrook Süd (beide fertiggestellt) … Die ganze Gegend um uns herum soll zugepflastert werden! Einzig die Gemeinde Kollmar spricht sich generell gegen den Bau von PV-Freiflächenanlagen auf dem Gemeindegebiet aus. In Wulfsmoor / Auufer sorgte ein starker Protest der Anwohner dafür, dass ein Solarpark-Projekt aufgegeben wurde.
Indes ist es allgemeiner Konsens, dass Photovoltaik zuerst aufs Dach gehört. Das mahnt auch der Steinburger Kreistag an. Öffentliche Gebäude, Schulen, Ämter, aber auch private Gewerbebauten und Wohnhäuser. Wir halten es außerdem für eine sehr gute Idee, Parkplätze von Supermärkten und Baumärkten mit Solar zu überdachen – als Win/Win-Situation. Trockene Füße bei den Kundinnen und Kunden, günstige Energie für die Märkte. Da ist noch viel Luft nach oben.
Eine frische Brise
Man sollte auch nicht vergessen, dass in Schleswig-Holstein immer ein frischer Wind weht und Windkraft für uns im Echten Norden die erneuerbare Energie der Wahl ist. Und: Windkraft ist sehr viel effektiver als Solarenergie. Solarenergie beansprucht viel mehr Fläche für nicht einmal annähernd die gleiche Leistung.
„agrarheute“ berichtet, dass bereits 2017 aufgrund einer Initiative der BVB/Freie Wähler in Brandenburg entschieden wurde, keine Flächen mehr über die BVVG (Gesellschaft zur Veräußerung ehemals volkseigener land- und forstwirtschaftlicher Flächen in den ostdeutschen Ländern) zur Photovoltaik-Nutzung abzugeben. Das Landwirtschaftsministerium begründete den Ausschreibungsstopp u.a. mit der schlechteren Effizienz im Vergleich zur Windenergie. Photovoltaik-Anlagen benötigen 83-fach mehr Fläche als Windkraftanlagen für die gleiche Energiemenge, hatte das Ministerium damals festgestellt.
Windkraftanlagen gibt es schon reichlich in Schleswig-Holstein und auch in unserer unmittelbaren Umgebung. Wir in Niederreihe sind im Norden, Süden und Westen von Windrädern umgeben. (Kartenausschnitt: Digitaler Atlas Nord)
Solidarität und Fairness sind gefragt
Vergleicht man die Bundesländer miteinander, ist Schleswig-Holstein führend im Ausbau regenerativer Energien. Unserer Meinung nach sollte ein gerechter Ausgleich hergestellt werden. Bundesländer wie NRW, das Saarland, Sachsen und andere beteiligen sich bisher kaum an der Energiewende.
In Schleswig-Holstein kommt es jetzt schon häufig zu Überkapazitäten. Der Strom kann nicht abgenommen werden. Die Wind- und Solaranlagen werden wegen Netzüberlastungen zeitweise abgeschaltet. Trotzdem erhalten deren Betreiber für den sogenannten „Phantomstrom“ Entschädigungszahlungen, die auf den Strompreis der Verbraucher umgelegt werden. Außerdem zahlen die Stromkunden im Norden zurzeit eine Menge Geld für die Stabilisierung der stark belasteten Leitungen. „Die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien erreichte 2019 rechnerisch ein Verhältnis zum Bruttostromverbrauch in Schleswig-Holstein von rund 154 Prozent. Dieses ist knapp viermal so hoch wie im Bundesdurchschnitt, wo 42 Prozent erreicht wurden.“ (Zitat Landesregierung SH) Solange die Stromautobahnen von Nord nach Süd nicht gebaut sind (frühestens 2026 bis 2028) und der Ausbau der Infrastruktur, auch im Hinblick auf Energiespeicher, nicht zügiger vorankommt, wird sich diese Situation noch verschlimmern.
Wie aus der obigen Darstellung des Ministeriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung in Schleswig-Holstein hervorgeht, wird für 2025 eine Bruttostromerzeugung aus erneuerbaren Energien von 37 TWh für SH und HH zusammen angesteuert. Bei gleichmäßigen Stromverbräuchen beider Länder liegt das Verhältnis von Erzeugung zu Verbrauch dann bei 117-133%.
Die Photovoltaik (gelb dargestellt) nimmt aus Gründen, die selbsterklärend sind, bei dem Szenario eine untergeordnete Rolle ein. Das Ziel für 2025 sind für die Photovoltaik 2,4 TWh. In 2019 wurden bereits 1,7 TWh erreicht. Wenn man die Zahlen allein vor dem Hintergrund der seit 2020 angeschobenen Vorhaben für PV-Freiflächenanlagen fortschreibt, ist dieses Ziel wahrscheinlich schon jetzt erreicht. Hinzu kommen die Solaranlagen auf Hausdächern, die Überdachung von Parkplätzen usw.
Aus all diesen Erwägungen heraus sind wir GEGEN den geplanten Solarpark Hohenfelde!
Wie kann die Zukunft aussehen? Dänemark macht es uns vor.
Die Dänen planen eine „Energieinsel“ in der Nordsee, deren angeschlossene Offshore- Windparks einmal Strom für zehn Millionen Haushalte liefern sollen, für Dänemark und Europa. Die künstliche Insel wird so weit draußen im Meer liegen, dass die gewaltigen Windräder vom Ufer aus nicht sichtbar sind. Anvisierte Inbetriebnahme: 2033
Moin Herr Lade,
haben Sie auf ihrem Dach schon eine Photovoltaik-Anlage installiert?
Hallo Ole,
darf ich Ihre Frage so auffassen, dass Sie uns eine Anlage spendieren wollen?
Moin Herr Lade,
oben schreiben Sie „Indes ist es allgemeiner Konsens, dass Photovoltaik zuerst aufs Dach gehört.“ Daher meine Frage.
Da auch Sie ihr Dach leider noch nicht für für eine PV-Anlage genutzt haben, denke ich wir brauchen auch Solarparks für einen schnellen Wechsel zu Erneuerbaren Energien.
Sie dürfen gerne selbst aktiv werden und in ihre eigene Solarstromanlage auf ihrem Dach investieren! Es lohnt sich. Für Sie und uns alle.
P.S. Selber machen, bringt auch mehr Spaß als nur dagegen zu sein.
Hallo Herr Ole,
schön, dass Sie sich so gut auf der Südseite unseres Hauses auskennen. Was die Investoren von Actensys planen und mit „wissenschaftlichen Daten“ von Verivox belegen (s. Postwurfsendung), hilft nicht dem Gemeinwohl. Denn hier wird mit klimasensitivem Boden (CO2 Speicher) auf einer gesamten Fläche, die 121 Fußballfeldern entspricht, Raubbau betrieben. Und wahrscheinlich ist Ihnen auch klar, dass hier nicht nur 3 Landeigentümer darüber nachdenken, wie Sie Flächen für eine Mega-Pacht abgeben können. Gehen Sie doch in die Gemeindesitzungen, dort wird die Entwicklung des Verfahrens gespannt von den potentiellen Interessenten der Abgabe weiterer Flächen auf Hohenfelder Gebiet verfolgt. (die genaue Anzahl lässt sich mittlerweile auch mathematisch exakt ermitteln) Ich gönne jedem seinen Profit, aber nicht auf Kosten der Umwelt und zu Lasten der Allgemeinheit. Warum fällt einigen Hohenfelder eigentlich ‚Klimaschutz‘ und ‚Moor als CO2 Speicher‘ nur dann ein, wenn es um die A20 geht, die gleich hinter ihrem Bauland vorbeibrettern soll? Und brauchen wir in Schleswig-Holstein tatsächlich eine Deckung des Strombedarfs von mehr als 160% aus erneuerbaren Energien?
PS: Wenn Sie uns weiter Vorschläge machen oder mit uns diskutieren wollen, dann bitte nicht anonym, sonst endet der threat genau hier…
Das ist ein generelles Problem in Deutschland – alle wollen die Energiewende, aber jeder weint, nicht bei mir. So wird das nichts.
Hallo Herr Mustermann,
gerade darum geht es. Hätten Sie unsere Texte aufmerksam gelesen, würden Sie wissen, dass wir ohnehin schon von Windkraftanlagen umgeben sind, die uns keine Probleme bereiten. Diese stehen auf von der Landesregierung ausgewiesenen Flächen. Was hier betrieben werden soll, ist Wildwuchs und hat weder mit Klimaschutz noch mit Umweltschutz zu tun. Hier stehen rein finanzielle Interessen der Betreibergesellschaft, der Landbesitzer und der Gemeinde im Vordergrund. Es ist beabsichtigt, ökologisch wertvolle Flächen (s. Landschaftsplan Hohenfelde) zu zersiedeln und zerstören, auch wenn z.B. der NABU und der BUND Bedenken anmelden. Klimasensitiver Moorboden bindet CO2! Durch die beabsichtigte weitere Trockenlegung dieses Gebietes sollte eigentlich jedem klar sein, dass dieses Projekt tatsächlich kontraproduktiv ist, zum einen gegenüber dem Umweltschutz und zum anderen gegenüber den Bemühungen, den Klimawandel zu stoppen.
Übrigens: Wir verstecken uns nicht hinter irgendwelchen Pseudonymen, selbstbewusst geht anders. Als Lektüre empfehlen wir Juli Zeh, ‚Unterleuten‘.
mfG (meinen Namen finden Sie mehrfach auf dieser Seite)